Wikileaks... traurig, aber voraussehbar

10.12.2010
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a.petit
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Das Schlimmste, das man jemandem antun kann, ist die Wahrheit. Wenn man Freunde hat, werden sie einem niemals sagen, dass man stinkt oder eklig fett geworden ist. Genau das hat aber gerade stattgefunden - auf höchster Ebene.

Der Gründer der Plattform Wikileaks, Julian Assange, hätte wissen müssen, was ihm blüht, wenn er sich mit der britischen Polizei "trifft".

Es zeugt von einer nahezu kindlichen Naivität, es dennoch getan zu haben. Doch leider kann man das nicht ungeschehen machen. Julian Assange wird auch diesmal den Preis dafür bezahlen, dass er ehrlich war.

Dass er durch die Veröffentlichung des Betruges, der Lügen und der Scharmützel der Politik persönlich büßen wird, war dem Außenstehenden klar.

Man legt sich nicht ohne Gegenwehr mit einem mächtigen Gegner an. Dieser Gegner wird für die völlige Vernichtung Assanges sorgen, wie ich befürchte.

Die klassische Bezeichnung dafür, wie sie immer gern benutzt wurde, lautet "Ein Exempel statuieren". Ketzer, Weltverbesserer und Steuerflüchtige wurden in der Geschichte immer öffentlichkeitswirksam gefoltert, um dann in einem Finale hingerichtet zu werden.

"Brot und Spiele" hieß bereits die römische Devise, um Nachahmer abzuschrecken. Das Prinzip hat sich auch über die Jahrhunderte nicht geändert. Bei Julian Assange werden wir künftig dasselbe System beobachten können.

Zu viele Mitläufer haben ihm (Stand 07. Dezember 2010) bereits den Geldhahn abgedreht. Demnach wird er wehrlos sein, wenn es um seine medienwirksame Verurteilung geht. Ich würde mir mehr solche gutgläubigen Menschen wünschen.

Ich hätte aber auch gern, dass sie nicht als Märtyrer für das Wissen untergehen. Der Wermutstropfen ist also, dass der Bereitsteller der Informationen tatsächlich glaubte, mit Wahrheit etwas Gutes erreichen zu können.

Die Antwort auf die Frage, die sich eigentlich niemals gestellt haben müsste, lautet also:
"Julian Assange, Du warst ein Naivling - Wir werden die Wahrheit aber weiterhin unterstützen"
;-)

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von a.petit

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Beiträge

Wikileaks ... mutig und notwendig! Günter Wittek 12.12.2010 16:09
Es ist bedauerlich, dass jetzt so massiv zutage tritt, dass die Regierenden, vor allem die USA und ihre Satelliten, der Meinung sind, dass die Wahrheit über ihre Außen- und Militärpolitik und ihre Diplomatie vor der Öffentlichkeit geheim gehalten werden müssen. Sie halten eine dokumentierbare Wahrheit für nicht zumutbar!

Es gibt aber auch Einblick in das Sittenbild innerhalb von Regierungen. Es muss einem massiven Bedürfnis der Mitarbeiter in manchen Ministerien oder Geheimdiensten entsprechen, die eigene oft unmoralische oder unverantwortbare, aber oft in Befehlsnotstand ausgeübte Tätigkeit auf Umwegen doch der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Trotzdem sind die Anschuldigungen gegen Wikileaks völlig falsch. Es wird eben nicht in die Öffentlichkeit getragen, was da aus unsicheren Quellen hereinkommt, sondern was bisher in der Öffentlichkeit ist, das wurde von Redaktionen angesehener Zeitungen wie New York Times, Guardian und Spiegel eingehend geprüft und offenbar einer größtmöglichen Qualitäts- und Zuverlässigkeitskontrolle unterzogen. Julian Assange handelt daher im wesentlichen nicht anders als jeder gute Enthüllungs-Journalist. Bevor der erste Teil an die Öffentlichkeit gelangt, sammelt er schon weiter gegen die Beschuldigten, um im Falle des Gegenangriffs auch schon die nächste Story abrufbar zu haben. – Das muss so sein, im Sinne der eigenen Sicherheit.

Anders als früher ist allerdings, dass die Menschen heute in sozialen Netzwerken organisiert sind, und Regierungen und Firmen sollten es sich heute lieber mehrere Male überlegen, ob sie den Zorn dieser Communities herausfordern wollen.

Es kann der Demokratie (so wie sie als Ideal in den Schulbüchern steht) nur gut tun, wenn es aktive Gruppen gibt, die den Mächtigen in aller Welt auf die Finger schauen und ihnen gelegentlich auch einmal darauf klopfen.

Und es kann und soll uns zu denken geben, dass gerade aus russischen Regierungskreisen der Vorschlag kommt, Assange nächstes Jahr für den Friedens-Nobelpreis vorzuschlagen. Der Idee ist allein schon deswegen etwas abzugewinnen, dass viele Kriege der letzten Jahrzehnte einfach nur auf der Grundlage von abenteuerlichen Lügen – wie den Massenvernichtungswaffen im Irak – begonnen wurden.

In den USA hat es Obama bisher nicht geschafft, die oft bewusst ausgestreuten Lügen der Bush-Administration aufzuarbeiten und richtig zu stellen, geschweige denn Guantanamo zu schließen.

Und aus jüngerer Zeit: welches Gift haben die Verantwortlichen von BP in den Golf von Mexiko gestreut, damit das Öl dort von der Bildfläche verschwindet? Und wird es irgendwann in naher Zukunft in unserer Nahrung wieder „auftauchen“? Das zu erfahren, das muss doch unser Recht sein.

Ohne Wikileaks werden wir auch kaum erfahren, wer denn durch welche Machenschaften die Finanzkrise ausgelöst hat. Wir können bisher nur ahnen, dass diejenigen, die das größte Desaster angerichtet haben, auch noch den größten Profit daraus gezogen haben. Aber eines Tages werden wir dies alles im Detail belegen können.

Heute treibt eine Mischung aus Verzweiflung und Unwissenheit die Menschen in Griechenland, in Irland auf die Straßen, um gegen gravierende soziale Einschnitte, um gegen die Demontage des ohnehin schon nicht mehr intakten Sozialstaates zu demonstrieren.

In England werden Studiengebühren verdreifacht, dass Studierende, die nicht aus einem wohlhabenden Haus kommen, kaum mehr die Chance auf einen Studienabschluss haben werden. – In ganz Europa geht die Schere zwischen den Wohlhabenden und den Benachteiligten immer weiter auseinander. Vom Ergebnis her wissen wir heute, dass manche Pannen in der Finanzwelt offensichtlich ganz bewusst herbeigeführt wurden. Aber mit Wikileaks werden wir eines Tages den Nachweis führen können, was wir von unseren Gefühlen, vom Betrachten der in Nadelstreif gehüllten lackierten Affen ohnehin schon lange wissen.

Daher ein großer Applaus für Assange und sein Team, von allen, die die Wahrheit nicht fürchten müssen.