Wenn
man Dämonen und den Glauben an sie unter psychologischen Aspekten betrachtet,
dann kommt man natürlich an Begrifflichkeiten wie dissoziative Störungen,
Schizophrenie, Besessenheit und multiple Persöhnlichkeitsstruktur nicht
vorbei. In früheren Epochen des menschlichen Seins, als Wissen noch ein geschütztes Privileg der jeweils herrschenden Kasten (Adel, Priester etc.) gewesen ist, wurde selbst das Krankheitsbild der Epilepsie oder auch der Katatonie als eine dämonische Besessenheit angesehen. Die davon "Befallenen" kamen nicht nur in Verruf, sondern wurden auch mit gänzlich verfehlten Mitteln wie z.B. einer im Rahmen eines Exorzismus stattfindenden gewalttätigen Austreibung zwangskonfrontiert. Dies hatte schlimme Folgen sowohl für die physische, als auch für die psychische Konstitution der Betroffenen. Personen die an psychischen Störungen litten wurden ebenfalls oftmals
Opfer solcher kirchlichen Aktivitäten. Deren Leiden verschlimmerten sich
dabei aber eher und nicht wenige wurden sogar bis in den Selbstmord getrieben.
So teilte z.B. Johann Joseph Gassner (Pfarrer zu Klösterle im Bistum Chur-18 Jhr.), der sich als Heiler von Krankheiten im Auftrag des Herrn sah, die ihm zur Wunderheilung anvertrauten bzw. zwangsübergebenen Menschen und ihre jeweiligen Leiden in drei Kategorien ein:
Denn nur wer Angst vor dem scheinbar Unerklärlichen hat, ist nur allzu gerne bereit, sich in die Arme eines vermeintlichen Glaubens, seines dazugehörigen imaginären Gottes und dessen jeweiligen Repräsentanten im Diesseits zu flüchten. In der aufgeklärteren Gesellschaft des 20.Jhr. sind die Erkenntnisse über psychische Störungen erheblich weiter fortgeschritten. Heutzutage ist bekannt das alle Krankheitsbilder, welche ehemals auf dämonische Besessenheit schließen ließen, nun mit rein psychologischen bzw. medizinischen Augen betrachtet werden. Doch wenden wir uns diesen unterschiedlichen Krankheiten an Seele, Geist und Körper einmal näher zu. Betrachten wir ihre Symptome unter dem Aspekt, der damals auf dämonischen Befall schließen ließ. 1. Die Epilepsie ist eine neurologische Anfallserkrankung,die eine paroxysmale (anfallsartige) kortikale (von der Gehirnrinde ausgehend) Entladung elektrischer Potentiale bewirkt, die zu einer schnellen Abnahme des normalen Membranpotentials führt und so einen Anfall auslöst. Die Anfälle selbst sind durch unterschiedlich lang andauernde Veränderungen der Hirnfunktion gekennzeichnet, welche die Motorik, das Sprechvermögen und Bewußtsein vorübergehend beeinträchtigen. Dabei kann es u.a zu Zuckungen am ganzen Körpers und - in extremen Fällen
- auch zur Schaumbildung vor dem Mund kommen.
Die Katatonie wird in zwei Kategorien aufgeteilt! 2. Katatoner Sperrungszustand: Der Kranke ist erstarrt wie eine Statue, antwortet auf keine Frage, folgt keiner Anweisung und ist völlig von der Umwelt zurückgezogen. Dabei ist er hellwach. Meist sind mit diesem Zustand auch noch Sinnestäuschungen, Gefühls- und Denkstörungen verbunden. 3. Katatoner Erregungszustand: Bezeichnung für eine schwere psychomotorische
Erregung mit sinnlosem Umsichschlagens, welche schnell die Kräfte des
Kranken aufzehrt.
4. Das Tourettesyndrom (Tic) ist eine Kombination von vokalen mit vielen verschiedenen motorischen Tics in chronischer Form (d.h. die Tics treten mehrmals täglich auf). Man unterscheidet zwischen motorischen, das sind unwillkürliche, rasche,
wiederholte Bewegungen wie z.B. Augenblinzeln, Kopfwerfen, Schulterzucken,
Grimassieren usw. und vokalen, plötzlichen einsetzenden Lauten wie z.B.
Räuspern, Grunzen, Zischen, der Gebrauch von Schimpfwörtern oder die Wiederholung
eigener Laute oder Wörter.
5. Die Dissoziative Identitätsstörung (vormals Multiple Persönlichkeitsstörung) ist charakterisiert durch das Vorhandensein von zwei oder mehr (oftmals bis zu 100) unterscheidbaren Identitäten oder Persönlichkeitszuständen, die wiederholt die Kontrolle über das Verhalten der Person übernehmen. Bei einigen Persönlichkeiten (auch als Alters bezeichnet) kommt es dabei zu Gedächtnisverlusten für bestimmte Ereignisse, während eine andere Persönlichkeit die Kontrolle innehat. Geraten Menschen in Extremsituationen, entsteht eine Art Reizüberflutung im Gehirn, ein Ausweg ist erforderlich. Menschen, die in der Lage sind gut dissoziieren zu können, dass heißt, die in der Lage sind, zusammengehörige Dinge im Bewusstsein voneinander zu trennen, finden hier seelisch ihre Rettung aus der fatalen Situation. Sie trennen das reale Geschehen von ihrem Bewusstsein ab und "denken"
sich in eine andere Situation. Nicht selten kommt es dabei zu Erinnerungslücken,
da ja eine "andere Person" in dieser Zeit agiert hat.
Wir können also feststellen, daß es für alle "Besessenheitsanzeichen", die im Rahmen religiösen Eifers diagnostiziert wurden, reale psychologische und medizinische Erklärungen gibt. Heute stehen unterschiedliche wissenschaftliche Heilmethoden zu Verfügung, die den Betroffenen helfen, anstatt sie, durch religiös motivierte Beweggründe, in eine noch tiefere Krise zu treiben bzw. sie damit fest an die jeweiligen Glaubensrichtungen binden zu wollen. Quellen: psychosomatik.at; medizininfo.de; Uni Hamburg; Die Geschichte des Teufels (G. Rosskopf-Parkland Verlag) |
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Wert 4 |
Thema: 4.2 | Information: 3.9 | Verständlichkeit: 3.9 |
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| Psychologie und Besessenheit | berthold röth | 15.03.2003 16:42 |
| RE: Psychologie und Besessenheit | Aza Zel | 16.03.2003 11:26 |
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