|
|
Management Praxis: Die 10 goldenen Regeln für den Verkauf
|
von Hans-Otto Dr.Jochem
|
Datum: 09.10.2006
|
Dr.-Ing.
Hans-Otto Jochem wurde 1932 in Lutzerath - Kreis Cochem/Mosel - geboren. Im
Jahre 1956 bekam er sein erstes Diplom für das Thema "Allgemeiner
Maschinenbau" von der T.H. Karlsruhe und erhielt im gleichen Jahr den Redtenbacher-Preis
für das beste Diplom. Vier Jahre später erlangte er seinen Doktorgrad: "Über den Einfluss der Radial-Strömung bei der Berechnung
von Propellern" und arbeitete lange Jahre erfolgreich als Geschäftsführer,
Management Consultant und Vorstandsvorsitzender für zahlreiche Firmen.
In diesem Artikel wird er Ihnen aus seiner langjähriger Erfahrung "10
Gebote für den Verkauf" vorstellen. Prüfen Sie anhand seiner
Anregungen, ob auch Sie Ihren Verkauf noch weiter verbessern können.
Die 10 Gebote für den Verkauf - Die Firma lebt vom Verkauf guter Technik.
- Wichtigste Aufgabe der Unternehmensleitung ist gewinnbringender Verkauf.
Auch der Vorstand muss persönlichen Kontakt zum Kunden halten.
Dort erfährt er hautnah, was in seinem Unternehmen schlecht läuft.
Hierfür darf der Vorstand nicht der berühmte "Generalist"
sein, sondern muss sein Produkt kennen und mindestens in einem Teilbereich
Fachkompetenz haben.
Der Vorstand oder Geschäftsführer eines Unternehmens hat viele Aufgaben
wie Festlegung der Strategie, Personalpolitik, Kostenkontrolle, Aufbau - und
Ablauforganisation, Unternehmensplanung, Entwicklung und Firmenübernahmen.
Dabei gerät er leicht in Gefahr, den Verkauf den zuständigen
Abteilungen zu überlassen.
Diese erhalten zwar Vorgaben für den Absatz und die Preisbildung. Werden
die Ziele aber nicht erreicht, ist die beliebteste Maßnahme das Auswechseln
von Personal. Dem Unternehmensleiter geht das Gefühl für den Markt
verloren; dieses kann er nur durch persönlichen Kontakt zum Kunden wachhalten.
Ich habe Unternehmensleiter kennengelernt, die seit 10 Jahren keinen Kunden
mehr gesehen hatten.
Die Verwaltung funktioniert hervorragend, Visionen, Strategie, Controlling
werden bestens auf dem laufenden gehalten, nur der Kunde wird als störend
empfunden. Damit ist der Untergang der Firma vorprogrammiert.
- Die beste Methode, das Unternehmen wirklich bekannt zu machen, sind
nicht teure Werbeanzeigen, sondern Fachvorträge auf Kongressen
und Symposien mit Diskussionen.
Sollen
die Kunden bei Ihnen kaufen, müssen sie Ihre Firma und Ihre Produkte
kennen. Um das zu erreichen, denken Sie vermutlich zuerst an Werbeanzeigen.
Vor allem bei Investitionsgütern wird deren Wirkung jedoch erheblich
überschätzt. In Anzeigen kann man die Vorzüge der Produkte
nicht genügend deutlich machen und gegenüber anderen abgrenzen.
Allgemeine Slogans helfen da wenig.
Es gibt weltweit zahlreiche Kongresse, Seminare, Symposien und ähnliche
Veranstaltungen, bei denen Sie Ihre Firma durch kompetente Fachvorträge
und Teilnahme an Diskussionen bekannt machen können. Auch bei wissenschaftlichen
Veranstaltungen können Sie Ihre Firma durch ein dezentes Logo auf Bildern,
Tabellen und Diagrammen vorzeigen.
Besonders wirkungsvoll sind solche Veranstaltungen natürlich in Verbindung
mit Messen. Oft haben sich Messen aus derartigen Veranstaltungen entwickelt,
bei denen erst nur Prospekte verteilt wurden und daraus kleine Ausstellungen
entstanden.
- Durch Mitarbeit in Verbänden wie VDMA lernt man den Wettbewerb
kennen und kann ihn besser einschätzen. Außerdem bietet gerade
z.B. der VDMA eine Fülle von Dienstleistungen, die sich vor allem kleinere
Unternehmen sonst nur schwer beschaffen können.
Zur weiteren Förderung des Verkaufs empfehle ich Ihnen dringend, bei
zuständigen Verbänden wie dem VDMA aktiv mitzuwirken. Dort treffen
der Verband und seine Mitglieder eine Auswahl der Messen, an denen Sie und
der Wettbewerb teilnehmen sollten. Bei der Fülle der Angebote und der
hohen Teilnahmekosten ist das oft eine schwere Entscheidung. Außerdem
kann der Verband seinen Einfluss bei den Messegesellschaften geltend machen,
damit wichtige Messen im In-und Ausland sich nicht überschneiden bzw.
zu oft stattfinden.
Neben dem persönlichen Kontakt zum Wettbewerb stellt der Verband auch
Beziehungen zu interessierten Lizenznehmern und Vertretern her. Er organisiert
gemeinsame Forschungsprojekte, gibt Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch, hilft
bei der Einschätzung der Marktsituation in verschiedenen Ländern
und bietet Beratungsdienste für Recht, Versicherungen und Steuern an.
- Die Bearbeitung von Anfragen muss verfolgt werden. Eingangsdatum,
Betreff, Bearbeiter, Preis, Abgabedatum und regelmäßige Nachfassdaten
können mit einem einfachen EDV-Programm verfolgt werden.
Häufig
habe ich erlebt, dass Anfragen nicht bearbeitet wurden, weil der hiermit Beauftragte
aus unterschiedlichen Gründen keine Lust hatte, und diese dadurch mit
der Zeit in Vergessenheit gerieten. Sie müssen zumindest dem Kunden mitteilen,
warum Sie in bestimmten Fällen kein Angebot machen.
Im Falle eines Angebotes müssen Sie dessen weiteren Werdegang konsequent
verfolgen, bis der Auftrag im Hause oder verloren ist. Die Summe der abgegebenen
Angebote, gewichtet nach Preis und Erfolgsaussichten, ist zugleich eine bedeutsame
Grundlage für die Unternehmensplanung.
- Für den weltweiten Vertrieb haben sich - soweit nicht eigene
Niederlassungen lohnen - kombinierte Verträge für Lizenz-Fertigung
eines Teiles und Vertretung des Restes der Produkte bewährt. Der Lizenznehmer
und Vertreter hat ein doppeltes Interesse!
Eine Vertretung arbeitet viel begeisterter beim Verkauf mit, wenn sie nicht
nur eine Provision erhält, sondern bestimmte Teile des Produkts in Lizenz
selbst herstellen kann. Das führt zu einem wettbewerbsfähigen Preis
und erhöht den Profit des Vertreters. Gleichzeitig nehmen Sie ihn mehr
in die Pflicht, selbst auch für das gute Funktionieren der Anlage und
der Abwendung von Garantieleistungen zu sorgen.
- Fremdwährungen immer absichern, auch wenn es noch so unnötig
erscheint.
Können Sie den Preis nicht in der eigenen Währung festlegen, müssen
Sie die Fremdwährung über Banken absichern. Das ist zwar
teuer, schützt aber vor nicht absehbaren Verlusten. Auf keinen Fall sollten
Sie darauf spekulieren, dass der Kurs der Fremdwährung steigt, und Sie
dadurch den Gewinn erhöhen könnten. Währungsspekulationen sind
nicht das Handwerk industrieller Unternehmen; sie haben schon viele, auch
große Konzerne, an den Rand des Ruins gebracht.
- Statt für nützliche Abgaben die entsprechenden Aufwendungen besser
zur Steigerung der Qualität und Weiterentwicklung der Produkte
verwenden.
Korruption ist ein Übel, das weltweit große wirtschaftliche und
soziale Schäden anrichtet. Auch das Unternehmen selbst richtet sich auf
die Dauer zugrunde, wenn große Summen für Bestechung statt für
Qualitätssicherung und Neuentwicklung ausgegeben werden.
Wenn bekannt ist, dass Kunden die Zahlung der letzten 5% mit tausend
Tricks verzögern oder gar ganz einhalten, vorher einkalkulieren.
Leider
haben viele Kunden, auch große und angesehene Firmen, eine regelrechte
Kunst entwickelt, Zahlungen aus den unterschiedlichsten Gründen zu verzögern.
Legitim ist, wenn Kunden hierdurch Lieferanten anhalten wollen, ihren Verpflichtungen
nachzukommen. Oft sind es jedoch nur fadenscheinige Gründe des Kunden,
um Zinsen zu sparen. Billigeres Geld, als nicht bezahlte Lieferantenrechnungen,
gibt es nicht. Das müssen Sie vorher bei der Preisbildung berücksichtigen.
-
Bei der Auftragsabwicklung muss der Kunde jede von ihm gewünschte
Ergänzung oder Änderung bezahlen. Er wird das verstehen, weil er
selbst Aufträge mit Kunden abwickelt. Der Kunde ist nicht der
König, vor dem man dienern muss, sondern soll Partner sein.
Bei der Auftragsabwicklung fällt es meistens am schwersten, die kalkulierten
Montagekosten einzuhalten. Tatsächlich können Erschwernisse auftreten,
die vorher nicht abzusehen waren. Meistens sind es jedoch andere Ursachen:
- Der Kunde stellt die von ihm zugesagten Leistungen, wie z.B. Energie und
Gebäude mangelhaft, verspätet oder gar nicht zur Verfügung.
Die dadurch entstehenden Mehrkosten müssen Sie sorgfältig festhalten
und dem Kunden in Rechnung stellen.
- Die ausgelieferten Konstruktionselemente müssen wegen Fertigungsfehlern
nachgearbeitet werden. Das kann an Unterlieferanten liegen, die für
die Mehrkosten aufkommen müssen.
- Der Kunde hat ständig Änderungs- und Ergänzungswünsche.
Oft werden diese ohne Berechnung erfüllt, um sein Wohlwollen zu erhalten.
Der Kunde muss jedoch solche Mehrleistungen bezahlen. Er ist ja auch nicht
bereit, bei Auftragserteilung Mondpreise zu zahlen, bei denen solche Leistungen
einkalkuliert sind.
Die Gespräche müssen Sie so führen, dass sich der Kunde als
Partner empfindet.
10. Anstelle von Pönalen - sollten sie doch anfallen - Ersatzteile
anbieten; das lindert den Schmerz.
Haftung für Folgeschäden, wenn man sie übernehmen muss, auf
jeden Fall in der Höhe begrenzen. Bei Wahl des Schiedsgerichts nicht
nur Ort, sondern auch geltendes Recht festschreiben.
Wenn
der Kunde zu Recht Vertragsstrafen geltend macht, bieten Sie statt dessen
immer Ersatzteile an. Das ist für beide Seiten von Vorteil.
Versuchen Sie immer im Vertrag Folgeschäden auszuschließen.
Wenn das nicht möglich ist, dürfen Sie diese höchstens in Höhe
des Auftragswertes übernehmen. Der Lieferant eines Sicherheitsventils
muss kein neues Kraftwerk bezahlen, wenn das Ventil versagt.
Versuchen Sie bei Streitigkeiten auf jeden Fall zuerst eine gütliche
Einigung zu erreichen. Das ist für beide Seiten erheblich billiger. Vereinbaren
sie dennoch bei Vertragsabschluss ein Schiedsgericht, um den aufwendigen,
ordentlichen Rechtsweg zu vermeiden. Als Standort haben sich in westlichen
Ländern Zürich, in östlichen Helsinki bewährt. Außer
dem Standort müssen Sie unbedingt das geltende Recht festlegen. Wählen
Sie ein Recht, das Ihre Rechtsabteilung oder Ihr Anwalt kennt.
Die internationale Handelskammer in Paris ist als Schiedsgericht sehr teuer;
allerdings werden Sie hier vor Einleitung des eigentlichen Verfahrens zu einer
Vergleichsverhandlung eingeladen.
Weitere Einzelheiten zu meinen Ratschlägen finden Sie auf meiner Homepage.
Viel Erfolg bei der Planung Ihres Verkaufs!
Legende: 5: super - bis 1: erträglich
|
Kommentar-Liste
Keine Kommentare vorhanden.
|
|

|
|
|
(Sie sind nicht eingelogged)
|
|
|
|