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Alles zu:
Persönlichkeit
Was macht Menschen glücklich?
Das Glück und die WünscheFragt man einen Menschen, was ihn glücklich macht, wird man oft eine Antwort in der Art bekommen, eine gesunde Familie, sichere Arbeit oder materieller Wohlstand, "sich dieses und jenes leisten können". Oder man träumt von einem Sach- oder Geldgewinn, für manchen ist es eine Reise oder Karriere, beziehungsweise wachsendes Ansehen und höherer Status bei seinen Mitmenschen. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen, doch soll das zur Illustration genügen.
Ein gewisser Lebensstandard und Ansehen sind natürlich wichtig; es gibt wohl niemanden, der darauf ganz verzichten will. Wenn außer Zweifel steht, daß sie das Leben angenehmer machen, lohnt sich doch die Frage, wie genau sie bewirken, daß man glücklich wird. Vielleicht verändert sich ja unsere Sicht der Dinge und wir kommen zu dem Schluß, daß sie Platzhalter für dieses schwer faßbare Etwas ‚Glück' sind - und an ihrer Stelle könnte auch etwas ganz anderes stehen, was uns als Menschen viel näher ist. Schon die alte Binsenweisheit "Geld allein macht nicht glücklich" drückt aus, daß Glück nicht in der Natur des Geldes liegt. Wo liegt es dann? Es lohnt sich, dem nachzugehen. Unsere Kultur hat ihre ganz eigenen Werte und Vorstellungen darüber, was den Individuen wichtig ist, entwickelt und tradiert. Andere Epochen zeichnen sich durch andere Werte aus. Hat unsere Gesellschaft also auch Werte? Ja? Gut, nur - was ist dann mit dem häufig angeprangerten ‚Werteverfall'? Ich halte die Bezeichnung Wertewandel für treffender; die heute propagierten Werte kann jeder im Fernsehen oder anderen Medien erkennen. Udo Lindenberg in der Anti-Drogenkampagne oder Boris Becker im neuen Mercedes genauso wie die ‚Lindenstraße' oder die Skandale der ‚Bild'-Zeitung stellen doch Werte dar, teilen etwas mit, womit wir uns identifizieren sollen. Was keiner sehen, kaufen, haben will, wird abgesetzt. Nach dem common sense sind materieller Wohlstand, Sicherheit und stärker auch wieder familiäre Bindungen und Tradition besonders wichtig. Vorstellungen der AntikeAristoteles schreibt in der ‚Nikomachischen Ethik': "Jede Kunst und jede Lehre, desgleichen jede Handlung und jeder Entschluß, scheint ein Gut zu erstreben, weshalb man das Gute treffend als dasjenige bezeichnet hat, wonach alles strebt. .. Das Ziel der Heilkunst ist die Gesundheit, das der Schiffsbaukunst das Schiff, das der Strategik der Sieg, das der Wirtschaftskunst der Reichtum." So hat jeder Bereich seine eigenen Ziele, die alle für etwas Nachfolgendes wichtig sind. Doch es gibt ein Ziel, ein Gutes, das von allen Menschen um seiner selbst willen begehrt wird, denn es ist der oberste Zweck, das höchste Gut. Im Namen stimmen hier wohl die meisten überein: "Glückseligkeit." Alle anderen Ziele, seien es Ehre, Lust, Verstand oder eine andere Tugend, streben wir an, weil - bzw., nur dann - wenn wir uns erhoffen, daß wir dadurch auch glücklicher werden. Anders ausgedrückt - Jeder erstrebt dasjenige Ziel, was ihn der Glückseligkeit am nächsten bringt. Am glücklichsten wird man, wenn man das tut, wozu man mit allen Facetten seiner Persönlichkeit, mit seinem ganzen Wesen steht. Nicht wir sollen uns irgendeiner beliebigen, geforderten oder erwarteten Aufgabe hingeben und auf irgendeine Weise ‚damit klarkommen'. Sondern wir sollen das anstreben, was uns am meisten gilt. Denn je höher uns ein Ziel steht, desto näher ist es dem letzten Ziel: dem Glück. Was die "Glückseligkeit" sein soll, darüber entzweit man sich, und eine für alle geltende Antwort kann es nicht geben. Das "Erkenne Dich selbst" des Orakels von Delphi bekommt jetzt eine ganz praktische Bedeutung, denn wie wir sehen, ist Selbsterkenntnis ein notwendiger Schritt, um glücklich zu sein. Sich selbst tiefer und umfassender kennen schließt ein, klarer zu sehen, was im eigenen Leben wirklich wichtig ist. Was man wirklich will. Nun ist es für uns deshalb schwierig, das herauszufinden, weil wir so komplexe Wesen sind. Wir sind mehr, als wir von uns kennen (und trotzdem kennen wir uns immer besser als jeder andere). Außerdem gibt es für Menschen keine Handbücher wie für jedes technische Gerät.
Erkenne dich selbstSich selbst erkennen meint, mehr über sich herausfinden und Vorstellungen, die man nur übernommen hat, mit denen man sich jedoch weniger identifiziert, erkennen. Diese zwei Schwerpunkte lassen sich praktisch natürlich nie ganz klar trennen, denn die Übergänge sind fließend. Betrachten wir einmal das Wort, Selbsterkenntnis. Es bedeutet, sich zu erkennen, also über sich Wissen zu erlangen. Wissen ist das Gegenteil von Glauben. Wo wir wissen, glauben wir nicht mehr, sondern wir sind uns sicher. Wissen bedeutet damit, sich über sich nicht zu täuschen, sich zu ent - täuschen. Sich besser kennenlernen und sich besser verstehen fügt wie bei einem Puzzle die unterschiedlichen Teile einer Person zusammen. Glück setzt dieses Eins-Sein mit sich selbst voraus. Je stärker und vollständiger dies ist, desto glücklicher ist man. Worin besteht nun dieses Eins-Sein mit sich selbst genauer? Normalerweise wird davon gesprochen, daß man sich mit sich selbst ‚eins fühlt'. Daß dieser gefühlsmäßige Anteil eine wichtige Rolle spielt, dürfte klar sein. Schließlich geht es um Glück und wer kann sich Glück ohne starke positive Gefühle auch nur vorstellen, geschweige denn erleben. Aber ist das Eins-Sein nur ein Gefühl?
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