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Heidegger: Die Grundprobleme der Phänomenologie

von  Sabrina Ulbrich

Homepage: www.miteinander-reden.de

Datum: 18.10.2005

Vorwort

Phänomenologie ist die Methode der Philosophie, die Martin Heidegger in seinem Buch "Die Grundprobleme der Phänomenologie" anschaulich vorführt. Es basiert auf einer Vorlesung, die er im Sommersemester 1927 gehalten und damit eine "neue Ausarbeitung des 3. Abschnitts des I. Teiles von Sein und Zeit" vorgenommen hat. Er kristallisiert die grundlegenden, immer wiederkehrenden Probleme der 2000jährigen Philosophiegeschichte in vier Thesen, aus dessen phänomenologischer Analyse er die Grundlage für eine mögliche Auflösung gewinnt.

Dieser Text versucht nur eine grobe Nachzeichnung des Buches. Er entstand in der Absicht die phänomenologische Methode selbst nach-zu-denken.

Einleitung

Was ist Phänomenologie? Heidegger nähert sich dem Begriff, indem er die phänomenologische Methode anwendet. Wenn wir einen Begriff interpretieren, bewegen wir uns im sogenannten hermeneutischen Zirkel, der besagt, daß der Verstehende immer schon eine Bedeutung voraussetzt, die er erst noch finden will. Birgt der Bezug auf vorausgesetzte Bedeutungen nicht die Gefahr in sich, an überholungsbedürftigen Konzepten hängen zu bleiben? Diese Frage erscheint sinnlos, wenn wir doch nicht anders können, als an Bekanntes anzuschließen. Doch vielleicht ermöglicht uns gerade das Gehen mit diesem Zirkel eine Klärung der großen philosophischen Fragen. Heidegger wählt den Weg an den Ursprung zurückzuspringen und die Grundthemen der Philosophie von dort neu aufzurollen.

HeideggerNeben der Philosophie als theoretischer Wissenschaft gibt es die Forderung, Philosophie solle als praktische Deutung des Lebenssinnes eine Weltanschauung bilden. Den Begriff "Weltanschauung" verwendet zuerst Kant, der ihn noch als sinnliche Auffassung versteht und den Schelling danach auf den Intellekt bezieht. Aber Kant unterscheidet nicht - hier jetzt immer in der Auslegung Heideggers - zwischen Philosophie als Wissenschaft und Philosophie als Weltanschauungsgründung. Für ihn gibt es nur den wissenschaftlichen Begriff. Weltanschauung erwächst aus der Erfahrung, hängt vom kulturellen und umweltlichen Kontext ab und bezieht sich auf Seiendes in jeglicher Form. Die Philosophie aber, wie sie Heidegger meint, ist nicht auf Seiendes sondern auf Sein bezogen. Sein bezieht sich zwar immer auf Seiendes, aber es ist nicht selbst Seiendes.

Philosophie ist also die Wissenschaft vom Sein - Ontologie. "Sein" ist nicht zu fassen, da es nichts gegenständliches ist, und dennoch gebrauchen wir es in fast jedem Satz. Das verleitete die Philosophie dazu, Sein für das Allgemeinste, Selbstverständliche und Undefinierbare zu halten. Eine Auslegung jedoch dem gesunden Menschenverstand zu überlassen, dagegen hat sich schon Hegel vehement ausgesprochen. Die Frage nach dem Sein zieht sich seit jeher durch die Philosophie: Was ist Sein? Wie ist ein Verständnis dessen möglich? Wie hängt Sein und Seiendes zusammen?

Anhand vier Thesen über das Sein will Heidegger mit einer Auseinandersetzung dieser Fragen vertraut machen und die phänomenologische Methode veranschaulichen:

  • Kant: Sein ist kein reales Prädikat.
  • Aristoteles/Scholastik: Zur Seinsverfassung eines Seienden gehören das Was-sein (essentia) und das Vorhandensein (existentia).
  • neuzeitliche Ontologie: Die Grundweisen des Seins sind das Sein der Natur (res extensa) und das Sein des Geistes (res cogitans).
  • Logik: Alles Seiende läßt sich unbeschadet seiner jeweiligen Seinsweise ansprechen durch das "ist"; das Sein der Kopula.

Sein wird durch Verstehen erschlossen, was jedem Verhalten zu Seiendem zugrundeliegt. Dieses Verhalten ist eines von einem besonderen Seienden, dem Dasein. Das Dasein zeichnet sich dadurch aus, daß es ihm in seinem Sein um dieses Sein selbst geht. Wenn wir es in seiner Seinsweise verstehen, so implizit auch das Seinsverständnis.

Heidegger hat "Sein und Zeit", worin er das Dasein existenzial analysiert, mit den Fragen geschlossen: "Führt ein Weg von der ursprünglichen Zeit zum Sinn des Seins? Offenbart sich die Zeit selbst als Horizont des Seins?" Hier knüpft er jetzt direkt an das offene Werk an und setzt die dort gemachte Herleitung voraus: Das Sein des Daseins ist die Zeitlichkeit, woraus sich die Zeit erst ableitet. D.h. das Seinsverständnis gründet ebenfalls in der Zeitlichkeit. Die Unterscheidung von Sein und Seiendem, die Heidegger ontologische Differenz nennt, überschreitet (transzendiert) das Seiende, weshalb der Titel transzendentale Wissenschaft gerechtfertigt ist. Und zwar im ursprünglichen Sinne (im Unterschied zu Kant), was kein Seiendes hinter dem Seienden konstruiert (Hinterwelt).

Die in dieser Einleitung grob skizzierte Thematik zum geplanten dritten Teil dieses Buches wird Heidegger später nicht mehr ausführen. Deshalb nur soweit: Das Sein gründet im Seienden, nämlich im verstehenden Dasein. Ohne Dasein ist kein Sein. D.h. die Ontologie hat ein ontisches Fundament. Dennoch ist das Sein dem Seienden vorgelagert - apriori. Dieses "Früher" kommt aus dem Transzendenten, also vor dem vulgären Zeitverständnis. Die apriorische Erkenntnis macht die Phänomenologie aus, die eine reine Methode ist.

Zu ihr gehört:

  • phänomenologische Reduktion, Rückführung vom Seienden zum Sein
  • phänomenologische Konstruktion, Entwerfen des vorgegebenen Seienden auf sein Sein
  • phänomenologische Destruktion, kritischer Abbau übernommener Begriffe und Strukturen (Konzepte)
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