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Arbeitszeugnis: Was die Formulierungen des Arbeitgebers bedeuten
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von Tony Kühn
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Homepage: www.philognosie.net |
Datum: 02.12.2005
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Heutzutage
dürfen Arbeitgeber Ihren Mitarbeitern keine Leistungsbeurteilung mit offensichtlich
negativen Formulierungen mehr ausstellen. Aus diesem Grund hat sich eine Art
"Geheimcode" mit Formulierungen etabliert, die nur noch Personalleiter
identifizieren können. Laut Vorgabe sollte eigentlich ein sogenanntes "Offenheitsgebot"
gelten, nachdem es Verschlüsselungen gar nicht mehr geben sollte. Dennoch
ist es weithin die übliche Praxis ein Arbeitszeugnis auf diese Weise auszustellen.
Mit Hilfe dieses Artikels können Sie Ihr eigenes Arbeitszeugnis auf Herz
und Nieren prüfen und herausfinden, welche faktische Leistungsbeurteilung
sich hinter den verklausulierten Formulierungen verbergen.
Doch bevor wir mit der Erklärung der verschlüsselten Formulierungen
beginnen, prüfen wir zunächst, ob Ihr Arbeitszeugnis alle wichtigen
Daten enthält. Die folgende Aufzählung enthält die Minimalkriterien,
die in einem brauchbaren Arbeitszeugnis angegeben sein sollten.
Hierzu gehört ... :
- ... die Beschäftigungsdauer
- ... eine Tätigkeitsbeschreibung
- ... eine Leistungsbeurteilung
- ... das Führungsverhalten bzw. Verhalten gegenüber Vorgesetzen
- ... das Sozialverhalten gegenüber Kollegen
Diese Merkmale sind für künftige Arbeitgeber von großer Bedeutung.
Schließlich bilden alle Einzelaussagen den wesentlichen Kern Ihrer Leistung
auf dem Arbeitsmarkt ab und lassen sogar zusätzliche Interpretationen über
Ihre Arbeitsgewohnheiten zu. Wer beispielsweise nur relativ kurze Beschäftigungszeiten
bei verschiedenen Betrieben vorweisen kann, wird schnell als "Luftikus"
- also jemand der "nicht weiß, was er will" - oder gar als "unzuverlässig"
beurteilt werden. Sehen wir uns im weiteren einige paradigmatische Beispiele
für verschiedene Leistungsklassen an, die Sie in Ihrem Arbeitszeugnis finden
können.
Anmerkung: Hinter den schlechten Beurteilungen habe ich in kursiver
Schrift eine Interpretation der Formulierung angefügt.
| Leistungsbewertung |
Formulierung |
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sehr gut
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- ... hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten
Zufriedenheit erledigt.
- ... waren stets mit seinen Leistungen außerordentlich zufrieden.
- ... hat unserer Erwartungen immer und in allerbester Weise erfüllt.
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gut
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- ... hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen
Zufriedenheit erledigt.
- ... seine Leistungen waren voll und ganz zufriedenstellend.
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befriedigend
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- ... hat die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit
erledigt. - (Man beachte bei der ersten Formulierung, daß man
nicht "stets" zufrieden war.)
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ausreichend
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- ... hat die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit
erledigt. - (die Arbeitsergebnisse waren unzufriedenstellend)
- ... hat unseren Erwartungen entsprochen. - (er ist hinter unseren
Erwartungen zurückgeblieben)
- ... mit seinen Leistungen waren wir zufrieden. - (die Leistungen
waren unterdurchschnittlich)
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mangelhaft
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- ... hat die ihm übertragenen Aufgaben im großen und ganzen
zu unserer Zufriedenheit erledigt. - (die Arbeitsergebnisse waren
mangelhaft)
- ... hat unsere Erwartungen größtenteils erfüllt. -
(er ist sehr hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben)
- ... führte die ihm übertragenen Aufgaben mit großem
Fleiß und Interesse durch - (zeigte für seine Tätigkeit
kaum Interesse)
- ....hat alle Arbeiten ordnungsgemäß erledigt - (Bürohengst,
der mehr Zeit als andere Mitarbeiter für eine Arbeit braucht)
- ...wußte sich gut zu verkaufen - (ein Prahlhans auf Kosten anderer)
- ... Im Rahmen seiner Fähigkeiten - ( und diese waren mehr
als bescheiden)
- ...war mit Interesse bei der Sache - (hatte keine nennenswerten
Vorzüge oder Fähigkeiten)
- ...trug durch seine Geselligkeit zum guten Betriebsklima bei –
(plappert viel mit anderen Kollegen - arbeitet wenig - manchmal ein
Hinweis auf Alkoholkonsum)
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Am Ende jedes Arbeitszeugnisses finden sich sogenannte Schlußformeln,
die einen weiteren Aufschluß über das Verhältnis von Arbeitgeber
und Arbeitnehmer geben. Meist bezieht sich die Schlußformel auf den Grund
des Ausscheidens - Eigenkündigung oder Rausschmiss - des Mitarbeiters.
Ich zähle im folgenden einige typische Schlußformeln und deren Bedeutung
für Sie auf. Die kursiven Anmerkungen stellen wieder die Interpretationen
der Floskeln dar:
- Das Arbeitsverhältnis wurde im gegenseitigen Einverständnis aufgehoben
- (besagt, daß dem Mitarbeiter wurde gekündigt wurde - ein Rausschmiss)
- Verließ die Firma auf eigenen Wunsch - (der Mitarbeiter ist einem
Rausschmiß durch eigene Kündigung zuvorgekommen)
- Wir wünschen ihm für seinen weiteren Berufsweg alles Gute - (
neutral - besagt lediglich, daß der Mitarbeiter selbst gekündigt
hat)
- Wir bedauern den Verlust des Mitarbeiters und wünschen ihm alles Gute
für seinen weiteren Berufsweg – (Positive Formulierung - Hier
bedauert der Arbeitgeber die Kündigung des Mitarbeiters - er war also
ein wertvoller Arbeitnehmer!)
- Wir bedauern den Verlust des Mitarbeiters sehr und wünschen ihm alles
Gute für seinen weiteren Berufsweg. - (Hier wird die Kündigung
des Arbeitnehmers als echter Verlust für die Firma dargestellt - eine
sehr löbliche Auszeichnung!)
Drei wichtige Elemente von positiv konnotierten Schlußfloskeln sind ...
- ... wir bedauern, daß der Mitarbeiter das Unternehmen verläßt,
- ... wir danken ihm für die geleistete Arbeit und gute Zusammenarbeit,
- ... wir wünschen ihm alles Gute für die Zukunft.
Bei besonders guten Zeugnissen tauchen alle drei Floskeln zusammen auf. Dies
dürfte die beste Bewertung sein, die man von einem Arbeitgeber erwarten
kann.
Viel Spaß bei der Analyse Ihres Arbeitszeugnisses!
Legende: 5: super - bis 1: erträglich
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